3 Fragen zum Thema Kammer für Therapeuten

Blog Therapeutenkammer

3 Fragen an Prof. Dr. Heidi Höppner - Professorin des Studiengangs Physio-Ergotherapie, Alice Salomon Hochschule Berlin

Sind die Therapeuten gesundheitspolitisch gut aufgestellt und falls nicht, wie ließe sich die Situation verbessern?

„Wir haben in den relevanten Gremien kaum Mitbestimmungsrechte. Wesentlich ist z. B. der G-BA. Wenn wir Einfluss haben, dann wird die Zersplittung der Positionen in der Physiotherapie deutlich. Ein wesentlicher Schritt wäre die Einsicht, dass wir nur gemeinsam stark sind. Was sind die Versuche, hier stärker mit einer Stimme zu reden: Primärqualifikation an Hochschulen wäre eines oder auch Forschung. Da können wir uns von den Logopäden und Ergotherapeuten oder auch im Ausland (siehe Österreich MTD) eine Menge abgucken. Offenbar kommen wir auch im 21. Jahrhundert nicht an einer Verkammerung vorbei. Ich sage dies aus einer Public Health Perspektive, da für die Systemgestaltung Kammern nicht das Non-Plus-Ultra sind. Für mich geht es sogar um eine Gesundheitsberufekammer. Alles andere würde die Position der TherapeutInnen noch mehr schwächen. Es geht um Einflussnahme - und da ist sowohl quantitative Aufstellung (viele) und die qualitative Aufstellung (viele sind sich einig und machen kluge Politik) bedeutend.“

Welchen Stellenwert kann die Therapeutenkammer künftig im Rahmen der Professionalisierung des Therapeutenberufes einnehmen?

„Es gilt, den Wert der Beiträge der Gesundheitsfachberufe (hier: TherapeutInnen) für die Gesundheitsversorgung deutlich zu machen. Das braucht gute Praxis, das braucht Weiterentwicklung z. B. durch Forschung und Wissenschaft zwecks Qualitätssicherung - das braucht genügend motivierte Interessierte an unserem Beruf (Fachkräftesicherung). Nur wenn es gelingt, den Mehrwert von TherapeutInnen transparent zu machen, können wir Anerkennung erwarten. Das Ziel ist die Sicherstellung und Qualität gesundheitlicher Versorgung durch den Beitrag gut ausgebildeter TherapeutInnen und "kluger Sprachrohre" in das System / in die Gesellschaft. Eine Kammer hätte einen solchen Auftrag: auf die Bevölkerung bezogen die professionellen Leistungen von TherapeutInnen herauszustellen und dafür zu sorgen, dass Menschen diese Leistungen bekommen bzw. die Leistungen auch helfen.“

Kann die Zusammenarbeit von Verbänden und Kammern den Therapeutenberuf und seine beruflichen Rahmenbedingungen voranbringen?

„Kann - muss nicht. Im Moment sehe ich den Ball bei den Verbänden - eine Initiierung von Verkammerung vorzunehmen. Doch, da sind sich die Verbände nicht einig. Der Weg ist m. E. über die gute Zusammenarbeit in Bundesländern - und das kann sehr unterschiedlich sein, wer hier für die Kammern den Hut aufnimmt.“

Kommentare

Jonas 26.10.2017, 16:08 Uhr

Guten Tag liebe Mitleser, vielen Dank für diesen informativen Beitrag. Ich finde, dass man den Physiotherapeuten mehr Beachtung schenken sollte, da sie mit ihrem Können und Wissen wahre Wunder bewirken können.


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