Was passiert, wenn sich alle Beteiligten des Gesundheitswesens an einen Tisch setzen?

Schleswig-Holstein

am 13.03.2019

Es entsteht etwas Gutes! Das jedenfalls zeigte das zweite Treffen der Talk-Runde „Gesundheitsversorgung im Raum Rendsburg-Eckernförde“ am Montag, 7. Januar 2019 in den Räumen der atlas BKK ahlmann im Käte Ahlmann Haus in Büdelsdorf 

Anwesende: Jürgen Langemeyer mit Ehefrau, Schlaganfallring, Frank Vilsmeier, Pflegeberufekammer SH, Thomas Fröber, Gesund am NOK, Vertreter der ABKK Ahlmann, Doris Mittelbach, Die Linke, Sabrina Jacob SPD, Ute Lieske, Pflege lebensNah, Monica Kleinhans,

Die Motivation aller Beteiligten sich zusammenzusetzen ist die Idee, dass Konzepte für nachhaltige Verbesserungen, vielleicht sogar eine Reform des Gesundheitswesens entstehen, wenn man aus der eigenen Perspektive erzählt und dem Anderen offen zuhört. Aus diesem Austausch können Ideen für realisierbare Veränderungen entstehen. Auch die Bedeutung des regionalen und basisbezogenen Blickes auf das Gesundheitswesen ist hoch.

Denn: Der Begriff „Gesundheit“ entsteht aus dem Erleben und der Erfahrung des einzelnen Menschen der betroffen ist, oder der Betroffenen hilft oder die Hilfe organisiert. Unter dem Motto „Unter-, Über-, Fehlversorgung stoppen! “ ist es das Ziel dieser Veranstaltung, Raum für weiteren Gedankenaustausch zu schaffen und über den Stand der angestoßenen Projekte zur Verbesserung der Zusammenarbeit in der Gesundheitsversorgung zu berichten.

Nach der Begrüßung durch Initiatorin Swanhild Priestley (erste Vorsitzende der Interessengemeinschaft Therapeuten S-H) führte Herr Jürgen Langemeyer vom Schlaganfall Ring aus, wie weit das Gemeinschaftsprojekt „Bezugstherapeut für Schlaganfallpatienten“ vorangeschritten ist und was die nächsten Stationen bis hin zur Verwirklichung sind.
Besonders positiv an diesem Projekt ist, dass es Herrn Langemeyer gelungen ist, nicht nur die Finanzierung der Entwicklung und Ausbildung zu sichern, sondern auch die spätere Kostenübernahme durch die gesetzlichen Krankenkassen. Entscheidend war hier ein Gespräch mit der TKK und dem Förderausschuss des Landes.

Herr Frank Vilsmeier, der Vizepräsident der 2018 etablierten Pflegeberufekammer hatte Denksport und Zungenbrecher für alle im Gepäck. Dies allerdings nicht nur zum Spaß, sondern um zum Nachdenken darüber anzuregen, wie die Zusammenarbeit aller Akteure und Beteiligten des Gesundheitswesens in Zukunft funktionieren kann. Er erläuterte die Begriffe interdisziplinär, interprofessionell und transprofessionell. Letzteres, so Vilsmeier sei die eigentlich effektivste Form der Zusammenarbeit. Hier ist die Voraussetzung, dass die Professionen nicht nur miteinander agieren, sondern sich auch mit Aufgaben und Tätigkeiten des Anderen auseinandersetzen. Dies führt über ein besseres Verständnis des Handelns des Anderen zu besseren Ergebnissen in der Gesundheitsversorgung.

Als Beispiele für transprofessionelle Zusammenarbeit könne das Projekt Bezugstherapeut, der regionale Therapietalk und auch die Initiative Palliativ Care 24 der Pflege Lebensnah gelten, die Frau Ute Lieske an diesem Abend vorstellte.

Die Betreuung und Begleitung von Palliativ-Patienten sind für alle Beteiligten und Betroffenen eine große Herausforderung, die schnelles und effektives Handeln erfordert. Daher, so Lieske, ist es hier unumgänglich, dass das Palliativ-Team eng zusammenarbeitet und im Austausch steht. Es finden daher regelmäßig gemeinsame Fortbildungen und Fallbesprechungen statt. Auch hier besteht die Notwendigkeit, dass dieser Mehreinsatz durch die Kassen vergütet wird und die Profis das nicht ehrenamtlich leisten müssen. Auch die Hausbesuche, die oft schnell und an weiter weg gelegenen Orten erfolgen, müssten entsprechend besser vergütet werden, sodass die Akteure hier nicht selber draufzahlen müssen, wie es besonders im Therapiebereich heute oft der Fall ist.

Frau Lieske warb für ein Therapeutennetzwerk, an die die Praxen freie Plätze melden könnten und so der sterbenskranke Mensch schneller zur Leid lindernden Behandlung kommen kann. Über „Gesund am NOK“ soll ein Förderantrag sowohl bei der Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Kreises als auch bei der Aktiv-Region Eider und Kanalregion Rendsburg vorbereitet und eingereicht werden, so Thomas Fröber. Hier kann es allerdings jeweils nur zu einer anteiligen Förderung kommen. Deshalb sollte nach weiteren Fördertöpfen gesucht werden.
Die beiden anwesenden Politikerinnen der Linken (Frau Doris Mittelbach) und der SPD (Frau Sabrina Jacobs) verfolgten die Gespräche des Abends sehr aufmerksam und versprachen zu unterstützen, wo es möglich ist. Sie wiesen darauf hin, dass die Mittel des Kreises nur begrenzt in den Bereich Gesundheit fließen können. Gleichzeitig wollten sie dem Wunsch nach mehr Transparenz nachgehen und Zahlen darüber ermitteln, wie die Gesundheitsversorgung in unserem Kreis aktuell gewährleistet werden kann – oder eben nicht.

Unser Gastgeber Herr Thomas Fröber, Mitarbeiter der atlas BKK ahlmann und Vorsitzender des eingetragenen Vereins Gesund am NOK, zeigte seine Bereitschaft, die vorgetragenen Projekte über die Homepage von „Gesund am NOK“ zu kommunizieren und auch einen Verteiler aller Interessierten einzurichten.
Als Mitglied des Runden Tisches der Sozialversicherung im Kreis RD-ECK wäre es ihm auch möglich, die regionalen Projekte dort vorzustellen, um auch von hier evtl. Unterstützung und Förderung zu erhalten. Er bot der regionalen Talk-Runde an, weiterhin den Konferenzraum der atlas BKK ahlmann in Büdelsdorf für ihre Treffen zu nutzen. Dies wurde mit herzlichem Dank angenommen.