Unsere kritische Antwort auf den Text „Für und Wider einer Kammer“ von dbs, VPT, dbl, IfK, VDB, DVE, Podo Deutschland, dba

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am 05.07.2019

Irritierend wirkt die Vorgehensweise einiger dieser Verbände zum Thema Kammer. In Informationsveranstaltungen betonen sie vorurteilsfrei und neutral über das Für und Wider einer Kammer für Therapeuten informieren zu wollen – haben bislang aber weder Struktur, noch Aufgaben und die Unterschiede zwischen Kammer und Verband richtig darstellen können. 

Sie fordern Argumente zur Meinungsbildung, haben Ihre Meinung aber schon vorher festgelegt. Oder wie ist es zu verstehen, dass sie parallel zum Meinungsbildungsprozess das Positionspapier gegen die Kammer im Landtag in Schleswig-Holstein an die Politik übergeben? Sie erzeugen den Eindruck, einen demokratischen Prozess anstoßen zu wollen – haben aber weder die Gesamtheit der Therapeuten hinter sich vereint und möglicherweise noch nicht einmal ihre eigenen Mitglieder.

Ist das ihr mitgliederbasiertes Demokratieverständnis?

Das Fazit der Verbände zeigt, dass sie den rechtlichen Unterschied zwischen Verband und Kammer noch nicht sehen. Deshalb kommen sie zu dem fehlerhaften Schluss, dass, wenn sie so weiter machen wie bisher, aber noch intensiver arbeiten, sich von mehreren Seiten Statistiken holen, usw., dann könnten sie die Therapieberufe nachhaltig verbessern. Sie übersehen dabei, dass ihr rechtlicher Status unverändert privatrechtlich bleibt und dass ihre Beschlüsse keine verbindlichen Auswirkungen auf den Beruf und die Berufsangehörigen haben und das würde für unsere Berufe bedeuten, dass wir die hilfswilligen „Hiwis“ im Gesundheitswesen bleiben. Wollen wir dies verändern, müssen wir aus der Einzelkämpfermentalität heraus hin zu einer starken Gemeinschaft. Mit den Verbänden allein schaffen wir den Sprung in die Zukunft nicht! Schaffen wir die Professionalisierung der Berufe nicht! Schaffen wir die längst überfällige Wertschätzung für die Zufriedenheit der Therapeuten nicht.

Für eine starke Lobby scheint es uns zielführender, dass sich die Verbände enger zusammenschließen und mit weiteren Aktiven und Initiativen aufstellen. Mit einer Kammer bekommen wir diese starke Gemeinschaft.

Unsere Stellungnahme findet sich im Download hier.

(Der kritisierte Text "Für und Wider einer Kammer" findet sich hier.)

Kommentare

Gina Ustmann 08.07.2019, 23:27 Uhr

Mmmh also naja - ich kann es jetzt nur etwas überspitzt sagen und ich bin nur die Frau eines Therapeuten - aber: Einerseits höre ich immer das Gejammer der Therapeuten, dass sich etwas ändern soll. Anderseits aber, dass man auf keinen Fall die 7 bis 18 Euro (je nach Einkommen) im Monat übrig hat für die vielen Tätigkeiten einer Kammer. Einerseits höre ich von den Verbänden, dass sie ALLES was eine Kammer tun wird schon längst können -eigentlich- und das sogar UMSONST. Anderseits habe ich schon das Gefühl, dass es einigen Nachbesserungsbedarf gibt. Einerseits finde ich das Versprechen der Verbände ganz super, sie wollen alles umsonst wuppen. Anderseits sagt mir mein Gefühl, dass Arbeit nicht umsonst getan werden kann, denn die Leute wollen ja auch Schuhe und Abendbrot kaufen. Und zuletzt höre ich immer wieder von Zwang und den vermeintlichen Negativbeispielen und anderseits vermisse ich die vielen positiven Beispiele von Kammerarbeit und die Erkenntnis, dass zusammen schaffen eben nur mit allen zusammen geht. Apropos: Vielleicht sollten wir uns wirklich einmal abwenden von der Hoffnung "Die Kammer ist der Heilsbringer für alles" und erkennen "Die Kammer ist eine Flanke, ein Baustein - zusammen mit den Verbänden". Die Erfahrung zeigt ja eher: Was einer nicht schafft, das schaffen viele, oder? Eines glaube ich aber ganz fest: Ohne Investment kein Ergebnis.


(wird nicht veröffentlicht)